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Kommentar des Global BBM Think Tank
Aussichten, Herausforderungen und Behandlungswege: Globale Perspektiven zu blutbasierten Biomarkern für die Alzheimer-Versorgung

Released: June 05, 2026

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Im Rahmen mehrerer Expertenrunden, die von Decera Clinical Education veranstaltet wurden, diskutierten Dr. med. Atsushi Iwata, PhD, aus Japan; Dr. med. Sebastian Palmqvist, PhD, aus Schweden; Dr. med. Jiong Shi, PhD, FAAN, aus China; sowie Dr. med. Raymond Scott Turner, PhD, FANA, FAAN, aus den Vereinigten Staaten die sich wandelnde Rolle blutbasierter Biomarker (BBMs) bei der Diagnose und Behandlung der Alzheimer-Krankheit (AD).

Diese Experten aus allen vier Regionen waren sich einig, dass BBMs zwar vielversprechend sind, jedoch keine eigenständigen Diagnosewerkzeuge darstellen. Die Ergebnisse der BBMs müssen als Teil einer umfassenden diagnostischen Abklärung neben der Anamnese, der objektiven kognitiven Beurteilung, der neurologischen Untersuchung und der strukturellen Neurobildgebung interpretiert werden. Eine häufig geäußerte Sorge war, dass medizinisches Fachpersonal die Ergebnisse von Biomarkern möglicherweise überinterpretieren könnte. Dies gilt insbesondere für Patientinnen und Patienten, die über subjektive kognitive Symptome berichten, bei denen jedoch mithilfe eines validierten Begutachtungsinstruments keine objektive Beeinträchtigung festgestellt werden kann.

Für Ärzte in der Grundversorgung oder Hausärzte ist diese Unterscheidung von entscheidender Bedeutung. Ein Bluttest mag zwar einfacher und schneller erscheinen als eine strukturierte kognitive Begutachtung, doch sollten BBMs nicht zur Verkürzung des Verfahrens herangezogen werden. Bevor Biomarker-Tests in Betracht gezogen werden, sollten medizinische Fachkräfte sicherstellen, dass die Patientin/der Patient eine objektive kognitive Beeinträchtigung aufweist, die nicht auf eine behebbare Ursache zurückzuführen ist. Dies ist besonders wichtig bei „ängstlichen“ Patientinnen und Patienten oder solchen mit familiärer Vorbelastung bzw. genetischem Risiko (AE4+), die möglicherweise schon nach geringfügigen Gedächtnislücken eine Untersuchung wünschen. Ein positiver BBM-Befund bei einer kognitiv normalen Person kann Ängste, Verwirrung und unrealistische Erwartungen hervorrufen, zumal solche Patientinnen und Patienten derzeit nicht für eine Amyloid-Antikörper-Therapie oder andere für die frühe Alzheimer-Krankheit zugelassene Therapien infrage kommen.

Die Expertengruppe beschrieb die derzeit optimale Rolle von BBMs als Triage- und Diagnosehilfe. BBMs können dabei helfen, zu entscheiden, bei welchen Patientinnen/Patienten eine Amyloid-PET, eine Untersuchung des Liquors (CSF) oder die Überweisung an einen Facharzt angezeigt ist. In manchen Systemen können sie unnötige Amyloid-PET-Untersuchungen verringern oder zur Priorisierung von Überweisungen beitragen. Es bleibt jedoch umstritten, ob ein BBM-Test als alleinige Grundlage für Entscheidungen über eine Anti-Amyloid-Behandlung herangezogen werden kann. Dies hängt unter anderem auch vom Land, dem Behandlungsumfeld, den finanziellen Rahmenbedingungen sowie der Verfügbarkeit des Tests ab.

In den Vereinigten Staaten beschrieb Dr. Turner ein System, in dem Überweisungen aus der Grundversorgung häufig in speziellen Einrichtungen zur Betreuung Gedächtniskranker eintreffen, obwohl nur begrenzte oder gar keine kognitiven Tests dokumentiert sind. Wenn zeitaufwändigere Instrumente zur Beurteilung der kognitiven Fähigkeiten wie das Montreal Cognitive Assessment (MoCA), das Mini-Mental-State-Exam (MMSE) oder das Saint Louis University Mental State (SLUMS) Exam in der Primärversorgung nicht durchführbar sind, empfiehlt er den Einsatz sehr kurzer kognitiver Testinstrumente, wie sie beispielsweise von der Alzheimer’s Association empfohlen werden, die weniger als 5 Minuten in Anspruch nehmen.

Dr. Turner wies darauf hin, dass BBMs in klinischen Studien dazu beigetragen haben, die Zahl der Patienten zu verringern, die aufgrund negativer Amyloid-PET-Untersuchungen aus dem Screening ausgeschlossen wurden. Darüber hinaus könnten sie in der klinischen Praxis auch für die Triage zur Zuweisung von PET-Ressourcen nützlich sein. Beachtenswert ist, dass Dr. Turner derzeit keine Amyloid-Antikörper-Therapie allein auf der Grundlage eines BBM einleitet, sondern eine Bestätigung der Amyloidpathologie mittels PET verlangt. Ein typischer Behandlungsablauf für Patientinnen und Patienten, die eine Amyloid-Antikörper-Therapie in Betracht ziehen, umfasst eine objektive kognitive Begutachtung zur Bestätigung einer leichten kognitiven Beeinträchtigung oder einer leichten Demenz, eine MRT zum Ausschluss von Kontraindikationen, eine Bestätigung mittels Amyloid-PET sowie eine ApoE-Genuntersuchung zur Erörterung des Risikos. Die BBM-Untersuchung ist auch für Patientinnen und Patienten diagnostisch sinnvoll, die kein Interesse an einer Amyloid-Antikörper-Therapie haben oder für diese nicht in Frage kommen.

Wie Dr. Palmqvist darlegt, ist Schweden sowohl bei der kognitiven Begutachtung als auch bei der klinischen Integration von BBMs weiter fortgeschritten. In der schwedischen Primärversorgung werden routinemäßig MoCA- oder MMSE-Tests durchgeführt. In einigen Fällen führen Demenz-Fachpflegekräfte oder Ergotherapeuten in Primärversorgungskliniken sogar noch umfassendere neurokognitive Untersuchungen durch. BBMs werden nach und nach in die fachärztliche Versorgung oder in speziellen Einrichtungen für die Versorgung von Menschen mit Gedächtnisstörungen eingeführt. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo die PET die vorherrschende Methode zur Feststellung einer Amyloidpathologie ist, gehören die Lumbalpunktion und die Untersuchung des Liquors auf Amyloid in schwedischen Kliniken zur Routine und werden häufig bereits beim ersten Besuch durchgeführt. Untersuchungen des Liquors und des Blutes bieten den Vorteil, dass sie kostengünstig und schnell sind, während die Amyloid-PET wesentlich teurer ist und mehrere Monate Wartezeit mit sich bringen kann.

Dr. Iwata berichtet, dass in Japan die Erstattungsrichtlinien maßgeblichen Einfluss auf die klinische Einführung von BBMs haben. BBMs werden derzeit dort nicht vom öffentlichen Gesundheitssystem übernommen und müssen aus eigener Tasche bezahlt werden. Dies erschwert die Kostenübernahme für die Alzheimer-Pflege im Anschluss an eine nicht erstattungsfähige Diagnose. Die daraus resultierenden Eigenkosten für Patientinnen/Patienten, die eine Amyloid-Antikörper-Therapie anstreben, sind ein wesentlicher Grund dafür, dass japanische medizinische Fachkräfte derzeit zögern, BBMs klinisch einzusetzen.

Dr. Iwata schloss sich der Warnung von Dr. Turner an, keine präklinische Alzheimer-Krankheit, leichte kognitive Beeinträchtigung oder Alzheimer-Krankheit auf der Grundlage von BBMs ohne angemessene klinische Untersuchung zu diagnostizieren. Er wies insbesondere auf das Risiko hin, dass Patienten mit subjektivem kognitivem Rückgang und positiven BBM-Ergebnissen zur Amyloid-Antikörper-Therapie überwiesen werden könnten, obwohl sie die Zulassungskriterien nicht erfüllen. In Japan setzt die Behandlung eine objektive Beeinträchtigung voraus, die gemäß dem Clinical Dementia Rating (CDR) mit ≥0,5 beurteilt wird. Dies kann bei Patienten mit einem CDR-Wert von 0 (normale kognitive Fähigkeiten und Funktionsfähigkeit), die ein positives BBM-Ergebnis erhalten, zu Ängsten und unrealistischen Erwartungen führen.

Dr. Shi berichtete von einer intensiveren und zukunftsorientierteren Nutzung von BBMs an seiner Forschungseinrichtung in China. Patientinnen und Patienten mit Gedächtnisstörungen können sich zunächst an ihren Hausarzt oder direkt an ein spezialisiertes Fachzentrum wenden. Im Rahmen der Primärversorgung können Gedächtnisuntersuchungen, eine MRT-Untersuchung des Gehirns und grundlegende Laboruntersuchungen durchgeführt oder direkt an einen Facharzt überwiesen werden. Eine gründlichere kognitive Beurteilung (in der Regel einschließlich MMSE und/oder MoCA), eine Differentialdiagnose, bildgebende Verfahren sowie bei Bedarf Biomarker-Tests werden von Fachärzten durchgeführt. Die Beurteilung der Alzheimer-Pathologie im Hinblick auf die Eignung für eine Amyloid-Antikörper-Therapie erfolgt in China in der Regel mittels PET. Die Akzeptanz der Lumbalpunktion bei Patientinnen und Patienten ist gering, da sie als sehr invasiv empfunden wird und in der Regel einen eintägigen Krankenhausaufenthalt erfordert. Bis vor Kurzem gab es keinen zugelassenen Liquor-Test für Alzheimer. BBMs werden in China bereits von einigen medizinischen Fachkräften in der Primärversorgung eingesetzt, doch fehlen derzeit Leitlinien zur Auswahl des geeigneten Tests. Dr. Shi merkte an, dass künftige direkte Vergleichsstudien zu BBM-Untersuchungen, einschließlich Grenzwerten zur Unterscheidung zwischen eindeutig positiven, negativen oder unbestimmten Ergebnissen, von großem Nutzen sein werden.

Dr. Shis Beschreibung der Praktiken in seiner Forschungsklinik zeichnete sich durch den umfassenderen Einsatz von BBMs aus, die zusammen mit einfachen kognitiven Tests in die jährlichen Vorsorgeuntersuchungen für Erwachsene ab 50 Jahren integriert wurden. Dies steht im Gegensatz zu dem konservativeren Ansatz, den die Vereinigten Staaten, Schweden und Japan verfolgen, wo BBM-Tests erst dann als angemessen gelten, wenn eine objektive kognitive Beeinträchtigung festgestellt wurde. Dr. Shi wies zudem auf die Möglichkeit hin, BBMs zur Überwachung des Ansprechens auf die Behandlung einzusetzen – ein Bereich, der eindeutig weiterer Forschung bedarf.

Für praktizierende medizinische Fachkräfte ist die wichtigste Erkenntnis aus dieser internationalen Diskussion, dass BBMs zwar bereits wichtige Instrumente für eine frühzeitigere und effizientere Alzheimer-Diagnostik sind, jedoch weitere Forschungsarbeiten erforderlich sind, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit erheblichen Begleiterkrankungen sowie in unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen. Es ist klar, dass BBMs weder kognitive Beurteilungen ersetzen noch für sich allein eine endgültige Diagnose liefern können. Sie müssen vielmehr in einen strukturierten Diagnoseprozess eingebunden werden. Darüber hinaus müssen medizinische Fachkräfte darauf vorbereitet sein, den Patientinnen und Patienten sowie den Betreuungspersonen Konzepte wie probabilistische oder nichteindeutige Ergebnisse zu erklären sowie Diskrepanzen zwischen Biomarkern zu erläutern. Um strukturelle und bildungsbezogene Hindernisse bei der Nutzung neu verfügbarer und sich weiterentwickelnder BBM-Untersuchungen im Rahmen einer verbesserten Patientenversorgung zu überwinden, ist die kontinuierliche Weiterentwicklung evidenzbasierter Leitlinien und Schulungsmaterialien erforderlich.

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Im August und September 2026 werden regionenspezifische virtuelle Workshops folgen, die sich auf die klinische Praxis in den Vereinigten Staaten, Europa, China und Japan konzentrieren.